Vier-Seiten-Modell der Nachricht

Wenn zwei sich unterhalten, also zwischenmenschlich kommunizieren (nicht massenmedial), dann nennt man den, der spricht, „Sender“, und den, der hört, „Empfänger“, wobei diese Rollen selbstverständlich ständig wechseln. Das, was gesendet wird, ist die „Nachricht“. Sie besteht i. d. R. aus verbalen und nonverbalen „Signalen“, also beispielsweise aus einem Satz, der mit einer gewissen Betonung und Mimik gesprochen wird. Wenn nun dieser Satz beim Empfänger nicht so ankommt, wie er gemeint war, dann liegt was vor? Richtig, ein Missverständnis. Bereits während seiner Wahrnehmung schlüpft der Empfänger blitzschnell selbst in die Rolle des Senders, zieht zum Beispiel eine Augenbraue hoch. Diese – evtl. unbewusst abgelassene – „Nachricht“ ist nun das „Feedback“ für den ursprünglichen Sender. Bemerkt der wiederum dieses Feedback nicht, und geht das in diesem Stil weiter, dann reden die beiden, wie man umgangsprachlich so schön sagt, aneinander vorbei.

 

Sprechen und Hören im wörtlichen Sinn reichen in einem Gespräch also nicht aus, um erfolgreich zu kommunizieren. Das Auge isst mit! (Sehen!). (Gezielte) Steuerung und (aufmerksame) Wahrnehmung weiterer Ausdrucksformen sind gefragt: Wie schaut man (freundlich, unfreundlich), wohin wandert der Blick (nach unten, oben?), wie ist die Kopfhaltung (seitwärts, erhaben) etc. Man „spricht“ auch mit der Mimik („die Mimik spricht Bände“) und „hört“ (sieht) mit den Augen. Erst Videoanalysen machen vielen Menschen klar, wie sie betonen und nonverbal kommunizieren.

 

Friedemann Schulz von Thun hat solche und andere Erkenntnisse bereits vor vielen Jahren in ein anschauliches Modell gepresst. Er benennt folgende vier Seiten einer (jeden) Nachricht:

  • die Sachseite (= Information über Sachinhalt, Daten, Fakten)
  • die Selbstkundgabe (= Information über den Sender als Person)
  • die Beziehungsseite (= Information über die Beziehung zwischen Sender und Empfänger)
  • die Appellseite (= Information über das beabsichtigte Ziel der Nachricht)

 

Der Sender der Nachricht spricht also mit „vier Schnäbeln“. Doch dem nicht genug – der Empfänger hört auch mit „vier Ohren“. Und diese hören nicht zwingend das, was die Schnäbel sprechen. Beziehungsweise finden ihre ganz eigene Interpretation, die unzutreffend sein kann. Und schon haben wir die Ursache für spannende und spannungsreiche (Vorstellungs-)Gespräche.

 

Hier ein paar Beispiele für Nachrichten, die ein gegenüber sitzender Personalchef senden könnte: „Da ist eine mehrmonatige Lücke in Ihrem Lebenslauf..“, „Na, Sie treiben wohl außergewöhnlich viel Sport...“, „Ihre Excel-Kenntnisse sind eher rudimentär...“, „Es fehlt wohl ein Zeugnis...“. Auf der Sachseite teilt der Chef lediglich Fakten mit. Zugleich gibt er damit aber über sich selbst kund: Ich habe mich vorbereitet, diese Fakten bemerkt (etwa durch gründliches Studium der Bewerbungsunterlagen) und halte sie für erwähnenswert. Weil ich in unserer Beziehung nämlich der Chef bin und es mir – als Gesprächsführer – in dieser Rolle herausnehmen kann, solche Dinge anzusprechen und mit dir zu diskutieren. Und ich appelliere an dich: Erkläre mir die Lücke plausibel.

 

Der Bewerber aber hört: „Meine Angaben sind unvollständig“, „Oh je, ist das ein Pedant...“, „Dem macht es wohl Spaß, Bewerber zu quälen“ oder „Shit, jetzt bin ich draußen“, wird nervös, ergeht sich in unnötigen Rechtfertigungen und vergeigt alles. Statt einfach nur zu sagen: „Ja, Sie haben Recht. Zwischen Schulabschluss und Studienbeginn habe ich eine Weltreise gemacht.“ Bezogen auf die Bemerkung zur Lücke im Lebenslauf.

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Barbara Späth

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