Rechtschreibung

Sicher fallen euch gelegentlich ungewohnt geschriebene Wörter auf. Manchmal stecken die neuen Rechtschreibregeln dahinter, manchmal echte Rechtschreibfehler und manchmal (vergleichsweise harmlose) Flüchtigkeits- bzw. Tippfehler. Solche „Versehen“ passieren sogar PR-Spezialisten, Schriftstellern und Zeitungsredakteuren. Leute, ich habe in meinem Leben bislang ca. 9786 Bewerbungsunterlagen gelesen, analysiert und verbessert. Daher weiß ich genau, welche häufigen Ausdrücke gerne verkehrt geschrieben werden. Meine ultimativen Spitzenreiter ließen sich leicht alphabetisch sortieren und in einer zweispaltigen Tabelle unterbringen („falsch“ vs. „richtig“). Da so etwas aber arg oberlehrerhaft wirkt, möchte ich euch lieber mit einem amüsanten Text erfreuen. Es handelt sich um ein fiktives Anschreiben mit eingeschränkter Authenzität (richtig: Authentizität):

 

Betrifft: Stellengesuch in der Zeitung vom Mai 2010

 

Sehr geherte Damen und Herren,

 

ich bewerbe mich bei ihnen als Cool-Center-Agent. Ich bin ein symphatischer, höflicher Tip und kein Leie bei der Aquisitation am Telefon. Früher habe ich öfters für einen Vidioverleih telefoniert und mich als einzigster nie plamiert. Zu meinen Stärken gehöhren: Scharm, Zuverläßlichkeit, Krips, Tolleranz, Emphatie und eine posetive Austrahlung. Dass heißt, Sie werden nicht von Mir entäuscht sein.

 

Zur Zeit hält mich meißtens noch mein Job als Kermaschienenfahrer auf Trapp. Dieser Beruv geht aber irgendtwie ganz schön an die Konsistenz. Neulich bin ich umgekniggt und daher yetzt eigendlich krank. Ich suche eine neue Herrausforderung und möchte mich ausser dem im Standart verbessern. Schichtarbeit finde ich nicht negertief. Zumindestens ist sie kein Hinterniss für mich.

 

Teemarbeit geniese ich sehr. Niveaux ist mir wichtig. Meine Hoppies sind Reissen, Esotherik, Badmington, Moppeds, Hart Rock und mein Stubentieger. HInweis: Mein leztes Zäugnis ist leider verlohren gegangen. Bitte haben sie Verständniß und ein bischen gedult. Ich melte mich.

 

Mit freundlichen Grüssen

 

 

„Schön. Vielleicht kann der Mann trotzdem gut telefonierten. Was kann ich mit dem Text machen?“ Fünf Möglichkeiten:

 

  1. Zuende lachen. Dann korrigieren, wenn ihr echt was lernen wollt. Bei Bedarf nutzt ihr dazu einen Rechtschreibduden.
  2. Wenn ihr noch mehr lernen wollt – komplett neu formulieren, also auch Inhalt, Wortwahl und Satzbau optimieren.
  3. Solltet ihr noch zur Schule gehen – eurem Deutschlehrer zeigen; sicher ist er aufgeschlossen gegenüber lebendigem Unterrichtsmaterial.
  4. Als Anregung benutzen für den Fall, dass ihr euch als Texter bei „Schmidt & Pocher“, Gag-Schreiber bei „TV total“ oder Redakteur beim „Eulenspiegel“ bewerben wollt.
  5. Als Anregung benutzen für den Fall, dass euch die örtliche Arbeitsagentur zur Bewerbung bei einem Call-Center verdammt, ihr den Job aber keinesfalls wollt.

 

Bekanntlich schimpft manch einer ja immer noch über die Rechtschreibreform. Bevorzugt über das weg gefallene „scharfe S“. Irrtum! Das „ß“ gibt es immer noch, beispielsweise nach einem lang gesprochenen Vokal (= Selbstlaut) in einem Wort wie Straße. Die Grundsatznörgler sind entweder (I) Menschen, die wirklich etwas von Sprache verstehen oder (II) Leute, die auch bezüglich der alten Rechtschreibung allenfalls mit Halbwissen ausgestattet waren. Angehörige der Kategorie (II) haben auffallend häufig immer schon „Strasse“ geschrieben d. h. sie tun es heute noch. Natürlich konsequent, also auch „mit freundlichen Grüssen“ (siehe oben). Um die Verwirrung zu komplettieren: STRASSE und GRÜSSE sind erlaubt. Überlegt mal, warum.

 

Rechtschreibfehler in den Bewerbungsunterlagen können ein K.o.-Kriterium sein. Können, denn längst nicht jeder Empfänger identifiziert sie. Vorsichtshalber solltet ihr aber auf korrekte Schreibung achten; die Rechtschreibprüfung eines Textverarbeitungsprogramms wie Word hilft euch dabei. Hilft, denn verlassen kann man sich auf sie nicht. Beispiel: Ihr wollt das Wort „Gesuch“ schreiben, tippt aber „Geruch“. Word macht euch nicht die rote Schlange, da der Fehler, hm, sagen wir, logischer Art ist. Werft also zwischendurch ruhig einen Blick in die (neuen) Schreibungen und in die §§ der (neuen) amtlichen Rechtschreibregeln. Beides findet ihr in dicken Büchern auf dünnem Papier – und natürlich im Internet.

 

Habt ihr dieses Zeichen gerade gesehen? Das war ein Gedankenstrich. Ha! Word-Nutzer wissen, dass aus dem kurzen „-“ manchmal wie von Geisterhand ein langer „–“ wird (oder umgekehrt). Besonders nervig ist das, wenn man die Zeitspannen im Lebenslauf tippt. Das Programm führt gelegentlich ein Eigenleben, was nicht immer vorteilhaft ist. Manuelles Korrigieren ist angesagt. Tja, in den amtlichen Rechtschreibregeln erfahrt ihr recht genau, was die Unterschiede zwischen Gedanken-, Binde-, Ergänzungs- und Trennstrich sind und welcher wann angebracht ist. Den „–“ bekommt ihr mit einer bestimmten Tastenkombination ganz locker hin. Feine Sache! In § 67 heißt es übrigens: „Mit dem Punkt kennzeichnet man den Schluss eines Ganzsatzes“, in diesem Sinne.

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Barbara Späth

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