Hobbys

Vorab: Hobbys schreibt man tatsächlich mit „y“, zumindest im Deutschen, egal ob in alter oder neuer Rechtschreibung. Gerade weil man seinen Hobbys nicht in der Arbeits-, sondern in der Freizeit nachgeht, empfehle ich, durchaus ein paar davon in den Bewerbungsunterlagen zu benennen. „Kruzifix, niemals, das geht den Arbeitgeber doch nichts an!?“, höre ich euch fluchen. Wahlweise: „Wir sind doch nicht mehr in der Schule!“ Nun. Natürlich nicht. Aber: Gerade als Erwachsener hat man sich in der Regel gründlich überlegt, welche Hobbys man in seiner knapp bemessenen Freizeit ausübt. Eben nicht mehr das zwangsverordnete, verhasste Blockflötenspiel – so wie einst auch Günter Jauch – sondern beispielsweise Saxophon, Aikido, Laienschauspiel, Esperanto, Schach, Bogenschießen oder Fliegenfischen. Und diese Wahl sagt etwas über uns aus. Etwas über Vorlieben, Werte, Einstellungen, Gemeinschaftssinn, Kampfgeist, Konzentrationsfähigkeit, Kreativität, Aktivitätspotenzial. Alles Aspekte, die ein Arbeitgeber interessant finden kann. Und die das i-Tüpfelchen bei der Entscheidung darüber spielen können, ob der Bewerber zum Gespräch eingeladen wird.

 

Möglicherweise hat der Personalchef das gleiche Hobby oder findet es zumindest spannend! Dann wird er es im Vorstellungsgespräch kurz thematisieren, vielleicht gleich zu Beginn, sofern er ein Profi ist und eurerseits Nervosität verspürt. Denn sein Ziel ist es ja, euch die situationsbedingte Aufregung oder Unsicherheit zu nehmen. Er will euch zum Sprechen bringen, euch erleben, eure Lebendigkeit, Dynamik oder Begeisterungsfähigkeit spüren. Und über sein liebstes Hobby wird jeder von uns engagiert und authentisch plaudern (können). Das weiß auch der Personalchef.

 

Nehmen wir an, die arbeitssuchende Juristin joggt regelmäßig und hat jüngst ihren ersten Halbmarathon-Lauf absolviert. Joggen schafft Ausgleich und hält fit; die Teilnahme an einem Halbmarathon lässt auf gewissen Ehrgeiz schließen, auf Disziplin, auf Belastbarkeit – welcher Arbeitgeber sieht das nicht gerne? Hinein damit also in die Bewerbungsunterlagen – in den Lebenslauf, auf die Dritte Seite oder aufs Profil.

 

Dass eine praktizierte Mannschaftssportart (Volleyball!) meist gut ankommt (Teamfähigkeit!), eine Risikosportart eher nicht (Leichtsinn! Unfallgefahr! Fehltage!), ist ein alter Hut. Ich gehe deswegen nicht näher darauf ein.

 

Kommen wir zu etwaigen Hobbys jenseits körperlicher Ertüchtigung. Weniger günstig wirken sich i. d. R. aus: Fernsehen (passiv!), gewerkschaftliches Engagement (protestlerisch!), Online-Games (Suchtcharakter!), Kuschelpartys (verklemmt!), Sammeln (zwanghaft!). Jetzt stellt euch aber mal vor, ein Pädagoge möchte in einem Geldinstitut arbeiten, als Ausbilder oder Trainer. Er beschäftigt sich in seiner Freizeit seit rund zehn Jahren intensiv mit Aktien, Geldmärkten, Anlageformen. Verschweigt er dies, liegen seine Einstellungschancen sehr viel niedriger als wenn er sein Hobby in schöne (verkaufende, aussagekräftige) Worte fasst. Dass er kein Zeugnis über seine Fachkenntnis hat und also den Unterlagen beifügen kann, ist übrigens ebenso selbstverständlich wie unwichtig.

 

Flunkern sollte man natürlich nicht. Aber ansonsten kann die Wahl der richtigen Worte durchaus spaßig sein. Aus „Lesen“ lässt sich „Fachliteratur“ oder „niederländische Lyrik“ machen, aus „Kochen“ „afrikanische Küche“ und aus „Surfen“ „Internetrecherchen“. Das gilt auch für den Oberbegriff, die Überschrift: Falls euch „Hobbys“ zu kindlich erscheint, dann benennt sie einfach um. In „Interessen“ oder „Freizeitaktivitäten“.

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Barbara Späth

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