DIN 5008

In Deutschland und anderswo sind praktischerweise nicht nur Gebäudetreppen, Grillroste und Handzahnbürsten genormt. (Zahnbürsten, die ihr kaufen könnt, haben bei der Büschelauszugskraftprüfung keine Filamente verloren!) Nein, auch Texte. Ja. Es gibt sie tatsächlich, Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung. Nun, jede Sekretärin oder Bürokauffrau weiß, was gemeint ist. Angehörige schreibender Berufe wie z. B. Journalisten und Redakteure hoffentlich auch. Wer aber etwa VWL oder Biologie studiert und noch nie richtig im Büro gearbeitet bzw. bislang asiatische Marienkäfer gezählt hat, der betritt hier ganz klar Neuland: die unendlichen Weiten der DIN 5008.

 

Interessant für euch ist diese Norm insbesondere im Zusammenhang mit der Gestaltung des Anschreibens. Sie legt beispielsweise fest, wie groß der Abstand von der oberen Blattkante bis zur ersten und, noch wichtiger, vierten Zeile des Anschriftenblocks zu sein hat; ob man zwischen Straße und Ort eine Leerzeile einfügt (nein, nicht mehr); wohin und wie das Datum zu schreiben ist (hierfür sind mehrere fantastische Varianten zugelassen); wo die Betreffzeile zu platzieren ist; dass man sie tunlichst weder mit Betr.: ankündigt noch unterstreicht; wie viele Leerzeilen hernach bis zur Anrede angebracht sind (zwei!); welche rechten und linken, obigen und untigen Ränder sich empfehlen; dass die Grußformel linksbündig beginnt; an welcher Stelle der Anlagenvermerk erscheint. Ächz. Und das waren nur die Basics! Wer es genauer wissen möchte, kann die DIN 5008 im Buchhandel käuflich erwerben – oder googeln.

 

„Wozu das Ganze?“, fragt der angehende Bank-Azubi ebenso wie der akademisch verbildete Skeptiker, „ich bewerb’ mich ja schließlich nicht um einen Job als Tippse.“ Das mag wohl sein. Aber: Bedenkt einfach, wer eure Bewerbungsunterlagen auf den Tisch bzw. in den PC bekommt. Richtig, in aller Regel Menschen, die häufig – mitunter täglich – solche Unterlagen lesen müssen. Denn das gehört nun mal zu ihren Aufgaben als Personalsachbearbeiterin (ja, meist weiblich) oder Personalleiter (ja, meist männlich) oder Fachvorgesetzte(r). Diese Menschen freuen sich, wenn im Anschreiben die Betreffzeile in der gewohnten Höhe steht und sie schnell erkennen können, um was es geht; wenn sie ein harmonisch und stimmig wirkendes Schriftstück vor sich haben; wenn Absätze die Übersicht erhöhen und den Leseprozess vereinfachen. Vor allem freuen sie sich aber, wenn der Bewerber insgesamt den Eindruck erweckt, optisch gelungene Geschäftsbriefe schreiben zu können. Schließlich ist diese Fähigkeit (in) jedem Unternehmen von Nutzen.

 

Einwand eurerseits: „Halt, da fehlt doch noch was! Wohin schreib’ ich meinen Absender?“ Großes Lob, aufmerksam gelesen! Die erste Absenderzeile beginnt 16,9 wichtige Millimeter von der oberen Blattkante entfernt (senkrecht, klar). Aber nur, wenn man eine solche Zeile hat! Viel moderner ist es nämlich, ihr gestaltet stattdessen euren eigenen Briefkopf. Das ist zulässig, macht Spaß, sieht schick aus und wirkt seriös.

 

„Und was ist mit dem Lebenslauf, gibt’s für den ’ne extra Norm?“ Ihr habt wirklich noch nicht genug. Ja und nein. Was Zeilenabstände und andere Kinkerlitzchen angeht, übernehmt ihr ganz einfach die Einstellungen aus eurem Anschreiben, das ihr ja jetzt nach DIN 5008 verfasst habt. Dinge wie Anschriftenblock, Betreffzeile und Grußformel fallen weg, logisch.

 

Der Vollständigkeit halber noch folgender Hinweis: Bereits in 2002 hat die Europäische Kommission ein Muster für einheitliche Lebensläufe (anzuwenden in der ganzen EU!) vorgelegt. Dieses Muster hat nicht den Charakter einer verbindlichen Norm, sondern stellt eine Empfehlung dar. Eine, die ziemlich floppt. Warum das so ist und welche Möglichkeiten es gibt, die eigene Biographie in einen überzeugenden Lebenslauf zu verpacken, das erfahrt ihr unter... wo wohl?... Lebenslauf.

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Barbara Späth

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