Chancen(-gleichheit)

Nach dem AGG (Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, umgangssprachlich: Antidiskriminierungsgesetz) müssen ja fast alle Stellen für weibliche und männliche Bewerber ausgeschrieben werden. Das wird auch meist so gemacht (da Benachteiligungen teuer werden können). Aaaber. Stellt euch mal vor, ihr seid Chef/-in einer Abteilung, in der momentan sechs Frauen und ein wenig durchsetzungsstarker Mann arbeiten, Vollzeit. Der Mann tut euch entsetzlich leid: Den ganzen Tag muss er sich das Gegacker der Weibsen anhören. Eine weitere Stelle ist frei und soll extern, also von außen, besetzt werden. Für euch steht vorab schon zweifelsfrei fest, dass ihr einen männlichen Bewerber nehmen werdet. Im Stellenangebot freilich heißt es „Sachbearbeiter/-in“. Logisch, dass sich beide Geschlechter bewerben. Allen Frauen erteilt ihr eine Absage. So, und jetzt versetzt euch kurz in die Lage der weiblichen Bewerberinnen. Enttäuschung allüberall. Doch sie werden nie erfahren, dass sie von vorneherein keine Chance hatten. Warum ich euch das erzähle? Weil das ein Weg ist, mit einer Absage so umzugehen, dass keine Selbstzweifel aufkommen.

 

Zweifel am Arbeitgeber können einem kommen, wenn man erfährt, dass er nach Sternzeichen einstellt. Eine österreichische „Management-Firma“ beispielsweise benennt genau dieses Zufallsmerkmal in Stellenangeboten als Auswahlkriterium. Man nimmt nur (angeblich kommunikative) Löwen und Zwillinge, (ideenreiche) Wassermänner, Widder, Steinböcke und Stiere. No chance also für Waagen wie mich.

 

In Japan übrigens erkundigen sich immer mehr Arbeitgeber bei ihren Bewerbern nach der Blutgruppe. Die Grundlage: Menschen mit Gruppe A seien empfindsame Perfektionisten (etwas ängstlich); Typ B tendiere zur Frohnatur, sei gleichzeitig aber exzentrisch und egoistisch; 0 ist angeblich neugierig und großzügig, aber stur; und ein AB-Träger geheimnisvoll und unberechenbar.

 

Zum Begriff „Chancen“ (als solche) noch ein paar Anmerkungen. Langzeitarbeitslose Menschen bzw. ALG II-Empfänger sagen oft: „Ich bekomme keine Chance.“ Chance heißt: Gelegenheit. Gelegenheiten gibt es immer, man bekommt sie nicht, man muss sie suchen oder entdecken. Und: ergreifen. Klar, um kognitive Dissonanzen abzubauen, schiebt man die Schuld am ausbleibenden Erfolg ganz gern auf andere. In diesem Fall: auf die Arbeitgeber, den Staat, die Gesellschaft, die Politik, die Arbeitsagentur, die Marktsituation. Diejenigen, die am lautesten klagen, sind aber oft genau die, die sich nicht wirklich selbst bemühen. Und Beratungs-, Hilfs- und Jobangebote zuvor stoisch zur Kenntnis genommen bzw. abgelehnt haben. Ist so.

 

Dazu abschließend eine kurze Geschichte, deren Verfasser mir leider nicht bekannt ist. Ein Mann treibt mitten im Ozean und ist kurz vor dem Ertrinken. Kommt ein Schiff und bietet ihm Hilfe an. „Nein“, sagt der Mann, „ich warte darauf, dass Gott mich rettet.“ Ein paar Minuten später ein Hubschrauber über ihm. Der Pilot ruft ihm zu: „Halten Sie sich an dem Seil fest.“ „Nein“, ruft der Mann zurück, „ich warte darauf, dass Gott mich rettet.“ Kurz darauf taucht ein U-Boot auf, und die Luke öffnet sich. „Schwimmen Sie hierhin, dann können wir Sie hereinziehen“, schreit der Kommandant. „Nein“, brüllt unser Mann zurück, „ich warte darauf, dass Gott mich rettet.“ Schließlich, als keine Hilfe mehr in Sicht ist, schaut der Mann zum Himmel und fragt: „Lieber Gott, warum rettest du mich nicht?“ Und eine Stimme aus den Wolken antwortet: „Ich habe dir ein Schiff, einen Hubschrauber und ein U-Boot gesandt. Der Rest liegt an dir.“

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Barbara Späth

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