Bewerbungsarten, -formen, -wege

Sicher habt ihr gehört, gelesen oder könnt es euch einfach so denken: Je nach dem, wie man sich bewirbt, spricht man von speziellen Bewerbungsarten, -formen oder -wegen. Dummerweise nur werden diese drei Begriffe völlig uneinheitlich verwendet: Das, was der eine Experte als „Art“ bezeichnet, ist für den nächsten eine „Form“ oder ein „Weg“. Oder gar eine „Strategie“. Alles Definitionssache bzw. eine Frage der Begriffszuordnung. Jedenfalls können entsprechende Begriffsklärungen so gut wie nie falsch sein, wohl aber mehr oder weniger sinnvoll bzw. zweckmäßig.

 

Und zweckmäßig scheint vor allem eins zu sein: Dass jedem Stellensuchenden klar wird, welch vielfältige Möglichkeiten der Bewerbung ihm offen stehen. Welche davon man individuell wählt, welche man effektiv und effizient anwendet (kurz: mit welcher man mit möglichst wenig Aufwand möglichst erfolgreich ist), das hängt von verschiedenerlei Kriterien ab: Beruf, Qualifikation (hoch vs. niedrig), Persönlichkeit (aktiv vs. passiv), Charakter (dreist vs. scheu), Ziel, Branche, Marktsituation (günstig vs. ungünstig), Selbstvermarktungstalent, Zufall, Geschlecht, Glück. Und und und.

 

Ein paar Beispiele:

 

(1) Eine Architektin stellt eine fulminante A3-Bewerbungsmappe zusammen. Sie sucht sich in ihrer Stadt ein paar Architekturbüros heraus, in denen sie gern arbeiten würde und informiert sich perfekt über diese Büros. Ohne vorab anzurufen bzw. nach einem Termin zu fragen, geht sie dann einfach hin. Freitags, nachmittags. Die Tür steht offen, oder sie läutet und wird eingelassen. Oh Wunder, die Sekretärin hat schon Feierabend gemacht, der Chef aber, der ist noch da und guter Stimmung (schließlich naht das Wochenende!). Sie unterhält sich mit ihm. Die Chemie stimmt. Sie hat also schon die halbe Miete! Sie tritt aktiv und kompetent auf, zeigt ihre Mappe. In acht Wochen kann sie in einem der Büros als freie Mitarbeiterin anfangen. Ziel erreicht. Ich nenne das „Methode Überfall“.

 

(2) Der junge Informatiker nutzt bevorzugt die Möglichkeiten des Internets. Er bietet sein Können auf einer eigenen Webseite an, auch als freier Mitarbeiter, und sorgt dafür, dass die Seite von Suchmaschinen und deren Nutzern gefunden wird. Das gleiche gilt für sein fachspezifisches Blog. Zudem trägt er seine zentralen Angaben in verschiedenen Datenbanken ein, mal als offensichtlich Jobsuchender (etwa bei monster), mal als grundsätzlicher Business-Netzwerker (bei Xing); weil er eine Beschäftigung im Ausland in Betracht zieht, registriert er sich auch bei weltweiten, englischsprachigen Jobdatenbanken und Karrierenetzwerken (etwa bei LinkedIn). Links auf seine eigene Webseite und sein Blog sind natürlich immer dabei. Dann lehnt er sich entspannt zurück (...).

 

(3) Die straighte BWLerin (und Kfz-Handwerkerin) will unbedingt in einem Automobilkonzern arbeiten; etwas anderes kommt für sie nicht in Frage. Sie prüft die relevanten Unternehmenswebseiten. Sofern sie dort Online-Bewerbungsformulare vorfindet, füllt sie sie konzentriert aus und lädt ggf. gewünschte Dateien hoch; ansonsten übermittelt sie ihre Unterlagen via E-Mail (...).

 

(4) Die erfahrene Call-Center-Agentin weiß, worauf es in ihrem Beruf ankommt. Freie Stellen in der Branche sind ihr bekannt, sie bewirbt sich telefonisch. Eh schon das Headset angelegt und absolut in ihrem Element, betreibt sie spaßeshalber gleich noch ein bisschen Kaltakquise. Dynamik, Authentizität, Selbstbewusstsein und gute Laune sind am anderen Ende der Leitung spürbar. Drei Stunden später hat sie drei Einladungen in der Tasche.

 

(5) Die Import-/Export-Sachbearbeiterin studiert fleißig die Stellenangebote in der Lokalzeitung, immer samstags, immer am Küchentisch. Auf jedes halbwegs passende Angebot reagiert sie, und zwar per Briefpost, also mit Mappenversand. Sie ahnt zwar, dass es stets zahlreiche Mitbewerber gibt, weiß aber nicht, wie sie sich optimal „verkaufen“ und von der Konkurrenz abheben könnte. Das Resultat, acht Wochen später: keine einzige Einladung. Sie sucht sich einen Bewerbungscoach. Der überarbeitet und ergänzt ihre Unterlagen, rät zu einem anderen Foto und einer zusätzlichen, aktiven Bewerbungsstrategie. Vier Wochen später liegen ihr zwei Vertragsangebote vor.

 

(6) Der türkischstämmige Pädagoge mit Schwerpunkt Gerontologie hat es eilig und will nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag auf publizierte Stellenangebote warten. Er hat von Initiativbewerbungen gehört und entscheidet sich, selbst zu handeln. Mit viel Liebe zum Detail erstellt er einen Folder. Den lässt er 100 x drucken. Die einzelnen Exemplare bringt er auf geeigneten Messen, in Altenheimen, Seniorenämtern usf. an den Mann. Bzw. an die Frau (...).

 

Puh! Welche Vielfalt! Was davon man nun als Bewerbungsart, -form, -weg oder -strategie bezeichnen möchte: egal! Hauptsache, ihr fühlt euch wohl, steht zu euren Auftritten, und es kommt etwas dabei heraus.

Das andere Bewerbungslexikon

Marke corvus albus ®

Dipl.-Sozialwirtin

Barbara Späth

Autorin & Kontakt

Ihnen gefällt, was Sie hier lesen? Sie haben Fragen, sehen Handlungsbedarf oder möchten Zugang in einen passwortgeschützten Bereich? Sie wollen mich als Referentin, Autorin, Bewerbungscoach oder -trainerin gewinnen?

 

Rufen Sie mich einfach an: (06321) 958 75 61. Anschrift und E-Mail-Formular finden Sie im Impressum (unten links).

 

Ich freue mich auf Ihr Feedback, Ihren Kommentar, Ihre Anfrage! 

 

Ausführliche Informationen zu mir, der Marke "corvus albus", meinen Qualifikationen, Kunden und Angeboten finden Sie im Spaethprogramm.

You are what you share.